Transarte

Kopfeinheiten: die Masse des Körpers

Du lernst, den menschlichen Körper in Kopfhöhen zu messen und die wichtigsten Proportionen so zu kennen, dass deine Figuren auf Anhieb stimmiger wirken.

15 Min.

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Modul 1. Kopfeinheiten: die Masse des Körpers

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Wenn eine Figur im Skizzenbuch seltsam aussieht, liegt es selten an der Linie. Meistens stimmen die Verhältnisse nicht: der Kopf zu gross, die Beine zu kurz, die Arme enden irgendwo auf Bauchhöhe. Die gute Nachricht ist, dass du dafür kein Anatomiestudium brauchst. Ein einziges Mass reicht für den Anfang, und du trägst es immer mit dir: die Höhe des Kopfes.

Ein Erwachsener misst hier gut sieben Kopfhöhen: die blauen Linien liegen je eine Kopfhöhe auseinander, rot der Boden.
Ein Erwachsener misst hier gut sieben Kopfhöhen: die blauen Linien liegen je eine Kopfhöhe auseinander, rot der Boden.

Der Kopf als Massstab

Zeichnerinnen und Zeichner messen den Körper seit Jahrhunderten in Kopfhöhen, gemessen vom Scheitel bis zur Kinnspitze. Ein erwachsener Mensch ist etwa 7½ bis 8 Köpfe hoch. Für das Skizzieren unterwegs rechnest du am einfachsten mit knapp 8, das wirkt natürlich und lässt sich leicht einteilen.

Bei Kindern ist der Kopf im Verhältnis viel grösser. Ein Kleinkind ist nur etwa 4 Köpfe hoch, ein Schulkind um die 5, ein Jugendlicher 6 bis 7. Genau deshalb wirken Kinder in Skizzen oft zu alt: Man zeichnet sie wie kleine Erwachsene. Gib ihnen einen grösseren Kopf und kürzere Beine, und sie sehen sofort jünger aus.

Die wichtigsten Wegmarken

Teile eine senkrechte Linie in acht gleiche Abschnitte, und du hast ein Gerüst. Die Mitte des Körpers liegt etwa beim Schritt, also dort, wo die Beine beginnen. Oben und unten sind damit ungefähr gleich lang, was viele überrascht, weil wir die Beine gefühlt kürzer einschätzen.

Die Schultern sind bei Männern ungefähr 2 Kopfhöhen breit, bei Frauen eher 1½ bis 1¾. Das ist einer der deutlichsten Unterschiede in der Silhouette, und er hilft dir, Menschen schon aus der Ferne zu unterscheiden.

Für die Arme merkst du dir drei Punkte. Hängt der Arm locker, liegt der Ellbogen etwa auf Höhe der Taille. Das Handgelenk erreicht ungefähr den Schritt. Die Fingerspitzen enden etwa in der Mitte des Oberschenkels. Wenn deine Figuren Arme haben, die kaum über die Hüfte reichen, weisst du jetzt, woran es liegt.

Das Knie sitzt etwa 5½ bis 6 Köpfe unter dem Scheitel. Unterschenkel und Fuss füllen den Rest bis zum Boden.

Gleicher Massstab: die Frau rund sieben, das Kind knapp sechs Kopfhöhen. Das Kind hat im Verhältnis den grösseren Kopf.
Gleicher Massstab: die Frau rund sieben, das Kind knapp sechs Kopfhöhen. Das Kind hat im Verhältnis den grösseren Kopf.

Messen mit dem Stift

Draussen hast du kein Lineal, und du brauchst auch keins. Streck den Arm ganz durch, damit der Abstand zwischen Auge und Stift immer gleich bleibt. Kneif ein Auge zu. Halte den Stift senkrecht, richte die Spitze auf den Scheitel der Person und schieb den Daumen bis zum Kinn. Das ist deine Kopfeinheit. Jetzt kannst du nachzählen, wie oft sie in die ganze Figur passt.

Wichtig ist der gestreckte Arm. Winkelst du ihn an, wird jede Messung anders, und die Verhältnisse verrutschen. Mit etwas Übung misst du nur noch am Anfang, dann schätzt dein Auge von selbst.

Mittelwerte, keine Gesetze

Diese Zahlen beschreiben einen Durchschnitt. Der Mensch vor dir im Tram hat vielleicht lange Beine und einen kurzen Oberkörper, breite Hüften oder schmale Schultern. Genau das macht ihn erkennbar. Nutze die Kopfeinheiten als Ausgangspunkt, und dann schau, wo die Person davon abweicht. Diese Abweichung ist das Interessante, nicht der Fehler.

Auch Kleidung verändert, was du siehst. Ein dicker Mantel macht die Schultern breiter, hohe Absätze verlängern die Beine, eine Mütze erhöht den Kopf. Miss, was sichtbar ist, und denk dir den Körper darunter.

So baust du eine Figur auf

Setz oben und unten eine kleine Marke für Scheitel und Füsse. Halbiere die Strecke, das ist der Schritt. Halbiere die obere Hälfte, dort liegt ungefähr die Brustwarzenlinie, und darüber findest du Kopf und Schultern. Halbiere die untere Hälfte, dort liegt etwa das Knie. Mit diesen drei Teilungen hast du in wenigen Sekunden ein stimmiges Gerüst, ohne acht Striche zählen zu müssen.

Übung

Such dir einen Ort, an dem Menschen eine Weile stehen: eine Tramhaltestelle, eine Schlange vor dem Café, einen Bahnsteig. Wenn gerade niemand da ist, nimm Fotos von stehenden Menschen. Zeichne fünf stehende Figuren, jede in etwa 3 Minuten. Setz zuerst Scheitel und Füsse, teile dann in Hälften und Viertel und markiere Schritt, Knie, Schultern, Ellbogen und Fingerspitzen. Miss bei mindestens zwei Figuren mit dem Stift auf gestrecktem Arm nach. Neben jede Figur schreibst du, wie viele Köpfe du gezählt hast. Fotografiere die Seite und zeig sie dem Coach.

Die Illustrationen dieses Kurses sind mit einem Bildmodell erzeugt und von uns geprüft; Hilfslinien und Kopfmasse haben wir selbst nachgemessen und eingezeichnet.